Lauchstädter Schiedsrichter unter Zeitdruck

Erst kein Schiri, dann zu viele

VON CHRISTOPH KRAUSE-FIEDLER UND ANKE LOSACK,
29.11.11, 20:03h, aktualisiert 29.11.11, 21:54h Quelle: www.mz-web.de

 

 

Viel zu diskutieren gab es schon vor dem Anpfiff der Bezirksligapartie. (FOTO: RALF KANDEL)

 

 

 

 

SANGERHAUSEN/MZ. Von wegen ein „geruhsamer“ Sonntag. Jede Menge Hektik gab es schon vor dem Punktspiel der Handball-Bezirksliga zwischen dem HSV Sangerhausen und der TSG Gymnasium Querfurt (Anwurf 15 Uhr). Ratlose Zuschauer, diskutierende Spieler, erst fehlende, dann zuviele Schiedsrichter.

Aber der Reihe nach. Zum wiederholten Male reisten keine Schiedsrichter zu einem Bezirksliga-Duell in Sangerhausen an. „Ein Querfurter erzählte, er habe einen Anruf gehabt, dass die Schiedsrichter später kämen. Wie viel zu spät konnte er allerdings nicht konkret sagen“, erzählte Sangerhausens Vorsitzender Hans-Joachim Sandrock. Die Vereine mussten also handeln. Sowohl der Gastgeber, als auch die Querfurter waren sich einig, dass die Partie von zwei Schiedsrichtern der Hausherren geleitet wird, um einen Ausfall zu vermeiden. Reiner Franke und Jürgen Müller, eigentlich zum Zuschauen in die Halle gekommen, erklärten sich bereit. Mit einer halbstündigen Verspätung begann das Spiel. Nachdem fünf Minuten absolviert waren, es stand 2:2, erschienen die angesetzten Unparteiischen, Lars Bergmann vom SV Steuden und Andreas Schäfer vom VfB Bad Lauchstädt, sowie Zeitnehmerin Sophie Paizoni, ebenfalls aus Bad Lauchstädt. Die 20-Jährige war die Fahrerin, da die beiden Herren keinen Führerschein besitzen. In Sangerhausen angekommen ließ Bergmann die Partie unterbrechen und verlangte, unter ihrer Regie neu zu beginnen, so Paizoni.

Doch nun „streikten“ beide Mannschaften und waren sich einig: Unter dem Motto „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ spielten sie die Partie unter Leitung der beiden Sangerhäuser Referees weiter. Das führte erneut zu Diskussionen mit den angesetzten Unparteiischen, die es dann allerdings so hinnahmen. Mussten sie auch, denn das besagt das Handball-Regelwerk. Sachsen-Anhalts Schiedsrichterlehrwart Martin Harms findet es im Regelbuch auf Anhieb: „Regel 17.5 besagt, grundsätzlich muss das Spiel von den selben Schiedsrichtern geleitet werden.“ Damit sei der Fall eindeutig, so Harms, wenn die beiden Sangerhäuser das Spiel angepfiffen haben, müssen sie es auch zu Ende pfeifen.

Bis die Mannschaften die Verspätung und die Unterbrechungen verarbeitet hatten, und endlich wieder ein richtiger Spielfluss aufkam, waren zehn Minuten gespielt. Es hieß 4:3 für die Gastgeber. Bis zur 45. Minute war die Partie recht ausgeglichen. Dann übernahm Sangerhausen das Zepter und machte den 28:22-Erfolg perfekt. „An den Schiedsrichtern hat es nicht gelegen“, sagte Querfurts Trainer Maik Pfannschmidt. Es sei ein sehr faires Spiel, mit nur jeweils einer Zeitstrafe gewesen. Als die Partie abgepfiffen wurde, hatte das angesetzte Trio längst die Halle verlassen. Wie sich herausstellte, war das Gespann kurzfristig nach Absage der eigentlichen Referees eingesprungen. Und Sophie Paizoni erklärte den Grund des Zuspätkommens: „Wir hatten alle drei um 12.15 Uhr bzw. 13 Uhr Spiele an unterschiedlichen Orten zu leiten und kamen in Zeitverzug.“ Paizoni selbst pfiff in Merseburg ein Spiel, Bergmann eines in Weißenfels. Den musste sie dann mit dem Auto abholen. Weiter ging die Reise nach Schafstädt, wo Schäfer gerade eine Begegnung abgepfiffen hatte. „In Schafstädt starteten wir 14.45 Uhr. Es war nicht zu schaffen bis zum Anwurf um 15 Uhr in Sangerhausen“, sagte die 20-Jährige. Die Drei hegten Bedenken, doch nach Rückfrage beim Schiedsrichter-Ansetzer fuhren sie los.


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